Die Grundzüge des Islam



5. Qur'an

Der Qur'an, der dem Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm) im Laufe von 23 Jahren offenbart wurde, ist Warnung und " Rechtleitung für die Menschen" (vgl. Sure 2, Vers 185 ). Er bestätigt und vollendet alle früheren Heilsbotschaften. Sein Stil ist unerreicht, sein Inhalt seit dem Jahre 632 bis zum heutigen Tag unverfälscht überliefert worden. Er ist Gotteslehre, Moralkodex und Gesetz in einem. Wo er keine konkreten Aussagen macht, wird er von der "Sunna", dem vorgelebten Beispiel des Propheten, ergänzt.

 

Glaubenspraxis

6.1. Gebet

Dem fünfmal am Tag zu verrichtenden Gebet (arabisch salah), das man allein wie auch in der Gemeinschaft verrichten kann, geht eine Waschung voraus. Das rituelle Gebet besteht aus der Rezitation einzelner Teile des Qurans, begleitet von Körperhaltungen wie aufrechte Stellung (Qiam), Verbeugung (Rekuu) und Niederwerfung (Sejuud), die das Glaubensmoment der dienenden Hingabe verkörpern. Das Gebet ist dem Gläubigen kein sinnentleerter Ritus, sondern Konzentration und tiefes inneres Bedürfnis. Der Sinn des Gebetes wird vor allem in seiner Schutzfunktion gegen üble Gedanken und Handlungen gesehen (vgl. Sure 29, Vers 45). Das rituelle Gebet schließt das freie Gebet (Duaa) nicht aus. Besinnung und Gottgedenken stärken den Geist des Betenden; er schöpft Kraft, im täglichen Leben maßhalten zu können und keine Übertretungen zu begehen. Obwohl die Moschee (arabisch Masjid, d.h. Ort der Niederwerfung) der geeignete Ort für die Gebete ist, müssen sie nicht dort verrichtet werden, da laut einer prophetischen Aussage die ganze Erde als ein Gebetsraum gilt.

 

6.2. Sozialabgabe

An über achtzig Stellen erwähnt der Qur'an die Sozialabgabe bzw. Armensteuer (arabisch : Zakat) zusammen mit der Verpflichtung zum Gebet. Die Armen und die Bittenden haben ein Anrecht auf das Vermögen der Gemeinschaft, "damit die Reichtümer nicht nur unter denen umlaufen, die schon reich sind " (vgl. Sure 59, Vers 7). Die Sozialabgabe, die andere Spendenformen nicht ausschließt, wird ausführlich in der islamischen Rechtswissenschaft behandelt.

 

6.3. Fasten

(arabisch : Sawm) im Monat Ramadan, dem neunten Monat im islamischen Mondjahr, vorgeschrieben und an anderen Tagen des Jahres als freiwilliger Verzicht empfohlen, ist eine Übung zur Selbstbeherrschung, Willenskraft und inneren Einkehr. Das Fasten reinigt Körper und Geist. Vom Beginn der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang enthält sich der Fastende u.a. des Essens, Trinkens, übler Worte, Werke und Gedanken. Er sucht seine Zuflucht bei Allah in Gebet und selbstreflexion. Das Fasten stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl der muslimischen Gemeinde. Den Wohlhabenden macht das Fasten auf die Situation der Notleidenden aufmerksam und bricht ihren Hochmut und falschen Stolz.



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