Die Vorzüge des Fastenmonats Ramadan



- Hojjat-ul-Islam Ma`sumi -

Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen.

Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen seien mit unserem Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm), seinen reinen Nachkommen (Friede sei mit ihnen) und seinen rechtschaffenen Gefährten.
O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

 ...Das Fasten ist euch vorgeschrieben, wie es denen vor euch vorgeschrieben war, auf dass ihr euch schützt...“[1]

Wir sind Gott, dem Mildtätigen, für die Gaben dankbar, die Er uns zur Verfügung gestellt hat. Seine Gaben sind unendlich und unzählbar:

 „Und wenn ihr Gottes Wohltaten aufzählen wolltet, könntet ihr sie nicht berechnen.“[2]

Der Prophet (ص) sagte: „Gott hat die ganze Welt für die Menschen erschaffen.“ Gott hat die Berge, Meere, Wüsten, Flüsse und alles Sein nur erschaffen, damit der Mensch daraus Nutzen ziehen kann. Dies bedeutet, dass der Mensch aus islamischer Sicht Ziel und Zweck der Welt ist.

„Gott ist es, Der euch das Meer dienstbar gemacht hat“[3], „und Er hat euch die Flüsse dienstbar gemacht“[4], „…dass Gott euch alles dienstbar gemacht hat, was in den Himmeln und was auf der Erde ist“[5]; „In euren Dienst stellte Er die Sonne und den Mond“[6] … Der Mensch ist also der Gipfel der Schaffung, und alles fließt auf ihn zu. Gott hat dem Menschen alles Sein zur Verfügung gestellt, damit er diese Gaben dazu nützt, Gott und die Vervollkommnung anzustreben. So ist die heilige göttliche Essenz Ziel und Zweck der Menschheit, wie auch die Menschheit Ziel und Zweck der Welt ist.

„Ich habe Dich erschaffen damit Du mich aufsuchst.“ Gott hat dem Menschen alles zur Verfügung gestellt, was er für sein Wachstum und seine Entwicklung braucht. Die Propheten und Gesandten Gottes und die himmlischen Bücher wurden gesandt, damit sie die Rolle der Software für die Rechtleitung erfüllen, während die materiellen Mittel, die uns zur Verfügung gestellt wurden, die Hardware darstellen, die von der erwähnten Software gesteuert werden. All dies wurde entworfen, damit der Mensch wächst und sich verbessert.

Abgesehen von all dem, hat Gott aus Liebe zum Menschen eine Gelegenheit für ihn vorgesehen, bei der er an dieser Rechtleitung Teil haben kann. Er suchte sich einen Monat für diese Gelegenheit aus und nannte ihn Ramadan. Darum sagte der Prophet (ص) über diesen Monat: „Ihr seid an die Festtafel Gottes eingeladen.“ Das bedeutet, dass die Gaben und Bedingungen in diesem Monat dem Menschen besonders dienlich sind; so werden Gottesdienste in diesem Monat um das Mehrfache belohnt und wirken sich entsprechend mehr auf die Entwicklung und Entfaltung des Menschen aus. Es wurde überliefert, dass die Rezitation eines einzigen Qur’anverses gleich der Rezitation des gesamten Qur’an belohnt wird. Ein Zyklus des Gebets gilt so viel wie 70 Zyklen, und selbst das Schlafen und das Atmen gelten in diesem Monat als Gottesdienst und Lobpreisung. Laut dem Propheten (ص) stehen den Menschen die Tore des Paradieses offen, und die Satane sind in Ketten gelegt.

Bedeutet das jedoch, dass Gott den Menschen in allen anderen Monaten die Tore des Paradieses verschließt? Wann sind die Tore des Paradieses verschlossen? Gewiss sind die Tore des Paradieses immer offen, doch dieser besondere Zugang im Monat Ramadan deutet auf besondere Umstände und Gelegenheiten hin, die sich zu anderen Zeiten nicht ergeben. Der Mensch wird zu Gott gerufen, damit er sich in seiner Nähe niederlässt. So wie man beim Eintritt in Gottes Haus, die Moschee, das Weihegewand tragen muss, so muss man auch für das Eintreten in den Monat Ramadan vorbereitet sein. Gott hat ein Land für die Pilgerfahrt ausgewählt, und der Pilger geht zum Gottesdienst in die Heilige Moschee. Beim Fasten hingegen erweitert Gott seine Stätte auf die ganze Welt; somit kann jeder in Seine Nähe gelangen, egal wo er sich befindet. So wie Gott zur Pilgerzeit alle Menschen zu sich ruft und die Pilger diesem Ruf antworten, muss auch der Fastende diesem Ruf antworten, damit er Gottes Stätte betreten darf. Bei der Pilgerfahrt müssen Gewänder gemieden werden, die verschiedene Farben haben und somit für Unterschiede und Selbstverherrlichung sorgen könnten. Auch der Fastende muss sich von jeder Art der Heuchelei, Selbstverherrlichung und Intrige reinigen, sich allen anderen gleichsetzen und an ihrer Freude und Trauer teilhaben.



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