Mehr als Fasten: Green Ramadan



Zwischen dem 21. August und dem 19. September begehen in diesem Jahr weltweit schätzungsweise 1,2 Milliarden Muslime den Fastenmonat Ramadan.

Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang sollen die Gläubigen unter anderem auf Essen und Trinken verzichten. Im Zeichen von Klimawandel und Ressourcenknappheit schließen sich in den USA nun Glaubensgemeinschaften zusammen, die einen „Green Ramadan" fordern - inklusive Stromsparen, Treibhausgasreduktion und Müllvermeidung.
Für viele Westler bedeutet der muslimische Fastenmonat Ramadan - der neunte Monat im islamischen Kalender, dessen Beginn und Ende sich jedes Jahr um etwa elf Tage verschiebt - meist nicht mehr als eine temporäre Nulldiät, die sich einen Monat lang von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang erstreckt. Das Fasten ist tatsächlich aber Ausdruck einer Bewusstwerdung für die Gaben der Natur und lädt zum Nachdenken über materiellen Reichtum und Enthaltsamkeit während des Ramadan ein.

Dr. Mohammad Abdel Raouf, Mitarbeiter des Think Tanks Gulf Research Center, machte in einem Leitartikel für die Gulf News aus Dubai darauf aufmerksam, dass der Mensch laut Koran zum Schutz der Umwelt verpflichtet sei. Dieser Aufgabe komme im Ramadan eine besondere Rolle zu. Neben der Enthaltsamkeit im Hinblick auf weltliche Genüsse sei der Fastenmonat eine wunderbare Chance, Verantwortung für den Planeten zu zeigen. Das Prinzip des Fastens könne nicht korrekt eingehalten werden, wenn man nicht gleichzeitig Wasserverschwendung und Müll vermeide und auf den persönlichen ökologischen Fußabdruck achte, so Abdel Raouf.

„Der Ramadan ist eine Gelegenheit, über den Lebensstil nachzudenken, also auch über den Umgang mit Ressorucen und Umwelt", findet auch Zaher Sahloul, Präsident des Council of Islamic Organizations of Greater Chicago. Dieses Jahr werden in den 50 dem Rat angehörigen Moscheen im Rahmen einer „Green Ramadan Initiative" erstmals auch die Themen Recycling, Fleischkonsum und Klimawandel Thema sein. Sahloul, der außerdem Präsident einer Stiftung zur Förderung von Solaranlagen auf Moscheedächern ist, möchte seine rund 400.000 Gläubigen dazu ermuntern, mehr öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen, Bio-Lebensmittel zu kaufen und in Ökostrom zu investieren.

Das Projekt könnte Schule machen: Die in Birmingham ansässige Islamic Foundation for Ecology and Environmental Sciences veröffentlichte vergangenes Jahr bereits einen „Muslim Green Guide to Reducing Climate Change"; auch greenprophet, das Öko-Portal für den Nahen Osten und die arabische Welt, berichtete bereits; zudem hat sich eine Facebook-Gruppe zum Thema gegründet.

Auch wenn das neue Öko-Bewusstsein nach dem Ramadan wieder verschwindet - wenn nur die Hälfte der in den USA lebenden Muslime einen Monat lang auf den „weekly cheeseburger" verzichte, schreibt Autor und Wissenschaftler Jamais Cascio, spare das immerhin etwa 60.000 Tonnen CO2, was dem CO2-Jahresausstoß von über 6000 SUVs entspreche.