Bis In Alle Ewigkeit



Zwei verschiedene Vorstellungen vom Tod

Das Phänomen "Leben" ist das wertvollste Gottesgeschenk und sein Verlust ist sehr traurig und beängstigend. Dennoch besteht kein Zweifel darüber, dass der Mensch, ob er will oder nicht, diese Welt betritt, das Leben beginnt, eine Zeitlange in dieser Unterkunft bleibt, schließlich das schmerzliche Gesicht des Todes erblickt und sich die Akte seines Lebens schließt.

Unsere Welt ist eine unbeständige und ruhelose Welt. Immer wieder wird neues in sie hineingeboren. Keiner sollte glauben, dass etwas in diesem ständigen Zirkel des Gebarens und Sterbens auftreten könnte, ohne eine Veränderung zu erfahren;

Alles, was eine Existenz beginnt, muss den Weg, der zum Sterben führt, gehen, ob es sich nun um den Menschen handelt oder die unüberschaubaren Massen der anderen existieren Wesen und Dinge. Das spielt dabei keine Rolle. Jede Daseinserscheinung, deren Entwicklung letztendlich die Grenze der Materie zur Metaphysik berühren wird, ist zum Untergang verurteilt, denn ihre Eigenheit lässt sie auf den Untergang zugehen. Ihr Ende besteht aus der Vernichtung. Die Trauerelegie der Vergänglichkeit schwingt durch das ganze Daseinsreich dieser Welt.

Als erstes ist daher das komplizierte Problem des Lebensendes zu behandeln. Dieses bedarf einer Analyse und Deutung Bezüglich der in diesem Zusammenhang auftauchenden Fragen sind Antworten erforderlich.

Beschränkt sich das Leben auf dieses irdische Dasein welches zwischen den Grenzen Geburt und Tod eingepfercht ist d.h. auf eine Zeitspanne, in der Schritt für Schritt diejenigen, die neu auf die Welt kommen, den Platz derer, die sie verlassen, einnehmen? Stimmt die Vorstellung, dass es außer der dreidimensionalen Existenz auf dieser weltlichen Szene, keine weitere Existenz gibt und unsere individuellen Besonderheiten und unsere Persönlichkeit der Nicht-Existenz anheimfallen? Oder erwartet uns in Wirklichkeit jenseits dieses Lebens ein ewiges Morgen, so dass der Mensch die Welt und sich selbst neu empfinden wird? Wird das Physikalische System der Welt, in der wir leben, nach der Metamorphose, bei welcher sie in eine andere verwandelt werden wird, ein vollendetes und neues Gesicht annehmen? Wirkt in diesem Kommen und Gehen, in diesem Entstehen und Vergehen ein gottgewolltes Ziel mit? War es Gottes Wille, dass er, der Mensch, der von Ihm als Krönung der Schöpfung bestimmt wurde, wie ein Vorüberziehender Rei­sender auf der Erde lebt und schließlich, aufgrund dieses gött­lichen Willens in eine andere Welt gerührt und bei seiner An­kunft, dort fest ansässig wird?

Im Falle, dass wir den Tod aufgrund der ersten Hypothese erklären, ist das Leben immer und in jeder Situation schmerzlich und bekümmernd, denn das Gefühl der drohenden Vernichtung und der Auflösung in das Nichts ist beängstigend und lähmend. Keiner wird leugnen, dass es quälend ist.

Aber bei der zweiten Einstellung, d.h. aus der Sicht eines Menschen, der in der sicheren Burg , welche die metaphysischen Gedanken bilden, Zuflucht suchte und von deren Turm aus auf die Welt herabblickt und davon überzeugt ist, dass die im Zei­chen der göttlichen Einheit stehende, den Menschen und die Welt umfassende Bewegung sich unentwegt fortsetzt, wird im Tod etwas anderes gesehen. Hier bedeutet Tod ein Zerbrechen der Gitterstäbe eines engen Käfigs, sprich des Körpers, bedeutet Befreiung aus ihm und Betreten eines viel größeren Bereiches und eines idealen und schönen Landes. Hier bedeutet der Tod nichts anderes als ein Wechsel des Rahmens und der Bekleidung. Beim Tod befreit sich der Mensch vom irdischen Kleid und dem irdischen Leib, und wirft sich   zunächst das Kleid der Zwischenwelt über. Daraufhin streift er auch dieses ab, um zu einer nächsten und höheren Stufe - zur Unendlichkeit - aufzu­steigen und sich das Kleid der Ewigkeit anzulegen.

Für Menschen, die diese hohe und wertvolle Denkweise pflegen, bedeutet das Lebensende eine Veränderung, die überreichlich Gutes mit sich bringt, - ein Wandel, in der alles zu seiner wahren Wesensart zurückfindet und unvermischt wird.

Der bekannte Wissenschafter Dr. Carrel sagt:

„Die Antwort, die die Religion dem Menschen hinsichtlich seiner Besorgnisse über den Tod gibt, ist viel zufriedenstellender als die Antwort der Wissenschaft. Die Religion gibt dem Menschen die Antwort, die sein Herz sich wünscht."[1]



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