Der Abend vor der Schlacht



11. Der Abend vor der Schlacht

 Gegen Abend versammelte Imam Hussain ( Friede sei mit ihm ) seine Getreuen. Ali ibn Al-Hussain, Imam Sain El-Abedin ( Friede sei mit ihm ), berichtete: Ich ging nahe an ihn heran, um zu hören, was er ihnen sagen wollte, obwohl ich zu der Zeit krank war. Ich hörte meinen Vater zu seinen Getreuen sagen:

"Ich verherrliche Allah mit der schönsten Verherrlichung, und ich lobpreise Ihn in Freude und Leid. Oh Allah, ich lobpreise dich, da Du uns mit dem Prophetentum gesegnet, uns den Quran gelehrt und uns die Religion verständlich gemacht hast. Du hast uns Gehör, Einsicht und Herzen gegeben, und Du hast uns zu den Dankbaren gemacht. Ich kenne keine treueren und besseren Getreuen als meine Getreuen, und keine frömmere und in besserem Zusammenhalt festgefügte Familie (Ahl-Al-Bait) als meine Ahl-Al-Bait. Möge Allah euch von mir reichlich belohnen. Denn wahrlich, ich glaube, dass dies der letzte Tag ist, der uns noch von jenen Leuten vergönnt ist. Ich gestatte euch nun, mich zu verlassen. Ich erteile euch hiermit die Lossprechung von eurem Treueid mir gegenüber, und ihr habt mir gegenüber keine Verpflichtung mehr. Diese Nacht bedeckt euch, so nehmt sie als ein Kamel (d.h. reitet im Schutze ihrer Dunkelheit fort)."

Seine Brüder, Söhne, die Söhne seines Bruders und die Söhne Abd-Allah ibn Dschafars sagten: "Warum sollen wir das tun?! Damit wir nach dir weiterleben?! Allah möge uns so etwas nicht erleben lassen." Abbas ibn Ali ( Möge Allah mit ihm zufrieden sein ) war der erste von ihnen, der mit dieser Äußerung begann, und die ganze Gruppe folgte ihm und gaben die gleiche Erklärung ab.

"Söhne Aqils," sagte Imam Hussain ( Friede sei mit ihm ), "es genügt für euch, dass Muslim ( Möge Allah mit ihm zufrieden sein ) ermordet wurde. So gehet denn, denn ich habe es euch erlaubt."
"Gepriesen sei Allah," sagten sie, "und was würden die Leute sagen?! Sie würden sagen, dass wir unser Familienoberhaupt , unseren Herrn und die Söhne unseres lieben Onkels, welcher der beste der Onkel war; alleingelassen haben und dass wir nicht an ihrer Seite Pfeile abgeschossen haben; dass wir nicht an ihrer Seite den Feind mit Lanzen durchbohrt haben; dass wir nicht an ihrer Seite das Schwert geführt haben. Dann wüßten wir nicht, was sie getan haben. Nein, bei Allah, wir werden das nicht tun, sondern wir werden vielmehr unser Leben, unser Eigentum und unsere Familien für dich opfern. Wir werden mit dir kämpfen, bis wir deine Bestimmung erreichen, und möge Allah das Leben nach dir für uns verabscheuungswürdig machen."

Dann erhob sich Muslim ibn Ausaja ( der beste Bogenschütze und der mutigste Jäger in Kufa ).

"Wie könnten wir dich allein lassen," sagte er, "und wie können wir uns bei Allah entschuldigen im Hinblick auf die Ausführung unserer Pflicht gegen dich?! Bei Allah, ich werde mit meiner Lanze in ihre Brust stechen, und sie mit meinem Schwert schlagen, so lange sein Griff in meiner Hand ist. Selbst wenn ich keine Waffe mehr habe, um damit zu kämpfen, dann werde ich Steine gegen sie schleudern. Bei Allah, wir werden dich niemals verlassen, bis Allah weiß, dass wir durch dich die Erbe des Gesandten Allahs ( Gottes Gebete über ihn und seine Familie ) in seiner Abwesenheit bewahrt haben. Bei Allah, wenn ich wüßte, dass ich getötet und dann wiederbelebt werden würde, dann verbrannt, dann wieder zum Leben erweckt und dann zerschmettert werden würde, und das mit mir siebzig Mal gemacht werden würde, ich würde mich dennoch nicht von dir trennen, bis mich der Tod ereilt anstatt dich. Wie könnte ich es dann nicht tun für dich zu kämpfen, da es doch nur eine Tötung geben wird, und die dann so eine Ehrung ist, die niemals abgelehnt werden kann?"

Suhair ibn Al-Qain ( Möge Allah mit ihm zufrieden sein ) stand auf und sagte:

"Bei Allah, ich würde es vorziehen, dass ich getötet werde, dann wieder zum Leben erweckt, dann wieder ermordet, bis ich auf diese Art tausend Mal getötet werde, und dass Allah, Der Erhabene, deine Ermordung auf diese Weise verhindern würde und die dieser jungen Männer aus deiner Familie." Und so sprachen alle seiner Getreuen auf ähnliche einhellige Weise, einer nach dem anderen. Imam Hussain (Friede sei mit ihm ) bat Allah darum, sie auf das Beste zu belohnen und zeigte in den Himmel, und betete für sie, damit sie unsichtbares sehen können und sie konnten sich ihre Plätze im Paradies anschauen und waren danach so froh, dass einige von ihnen einen Teil der Nacht mit Witze erzählen verbrachte, und auf die Frage ob es jetzt eine Zeit für Spässe sei antwortete er "Wenn denn sonst, zwischen uns und dem Paradies ist nur die Zeit, wo die Leute mit ihren Schwerten auf uns neigen (uns töten ). Imam Hussain (Friede sei mit ihm) zog sich danach in sein Zelt zurück.

Ali ibn Al-Hussain ( Friede sei mit ihm ) berichtete weiter:

Ich saß an Abend des 10. Muharrams ( 10 heißt Aschraa in arabisch und der 10.Muharram heißt daher Aschuraa ), und bei mir war meine Tante Saineb, die mich pflegte, als mein Vater sich in sein Zelt zurückzog. Dschuwain ( Verkleinerung von John ), der Diener von Abu Dharr Al-Ghaffari ( Möge Allah mit ihm zufrieden sein ), war bei ihm, der dabei war, sein Schwert vorzubereiten und herzurichten. Mein Vater sagte ein arabisches Gedicht : "Zeit, Schande auf dich als ein Freund! Wie viele von deinen Morgendämmerungen und Sonnenuntergängen gibt es, wie oft wird ein Gefährte oder ein Suchender zum Leichnam. Die Zeit wird durch keinen Ersatz zufrieden gestellt werden. Die Sache liegt bei Dem Mächtigen, und jede lebende Kreatur wird meine Reise antreten."



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