Geschichten der Rechtschaffenen



Auszüge aus

für Jung und Alt

Von

 Ajatollah Morteza Motahhari 

Inhaltsverzeichnis

1.       Vorwort

2.       Der Prophet und die zwei Gruppen

3.       Die Fürbitte

4.       Der Reisegefährte auf der Pilgerfahrt

5.       Das gemeinsame Essen

6.       Eine Karawane auf der Pilgerfahrt

7.       Der Muslim und der Anhänger der Schriftreligion

8.       Im Gefolge des Khalifen

9.       Bitte um einen guten Rat

10.   Der Christ und Imam Alis (a.s.) Rüstung

11.   Imam Ali (a.s.) und Asim

12.   Arm und Reich

13.   Ghazali und die Räuber

14.   Avicenna und Ibn Miskuyah

15.   Vor dem Richter

16.   Ein Brief an Abu-Zhar

17.   Das Hemd des Khalifen

18.   Brennholz sammeln in der Wüste

19.   Hilfeleistung

20.   Wer ist frommer

21.   Der Gast des Richters

22.   Die Altersrente

23.   Beschwerde über den Ehemann

24.   Der Unbekannte

25.   Der Schweiß der Arbeit

26.   Imam Baqir (a.s.) und der Christ

 

 

Vorwort

Abstrakte, ethische Grundsätze scheitern nicht selten daran, daß diejenigen, die sie aufstellen, nicht danach leben: Sei es, daß sie die nötige Glaubensstärke nicht besitzen, sei es, daß sie die Menschen zu Handlungen auffordern, deren Erfüllung ihrer existentiellen Bestimmung und ihrer natürlichen Konstitution zuwiderläuft. Moralisches Verhalten kann von der jüngeren Generation und von den kommenden Generationen verlangt werden, wenn ihnen dies mit Worten und Taten vorgelebt wurde und vorgelebt wird. Nicht selten ist die befürchtete geistige Krise der jüngeren Generation im Verhalten der älteren vorprogrammiert.

Wenn der Glaube der jüngeren an die Grundsätze der Älteren gestärkt werden soll, muß mit anschaulichen Beispielen gezeigt werden, wer, wann, wo und mit welchem Erfolg gehandelt hat. Das ist die Intention dieser kleinen Sammlung der Geschichten der Rechtschaffenen . Sie soll zeigen, wie die Rechtschaffenen unserer Glaubensgemeinschaft in ihrem Verhältnis zu ihren Mitmenschen gedacht und gehandelt haben. Mit diesem Büchlein, das in einer leicht erfaßbaren Sprache und Schrift geschrieben worden ist, möchten wir vor allem die jüngeren Leser erreichen.

Der Prophet und die zwei Gruppen

 Der Prophet (s.a.s.) betrat einmal die Moschee und wurde auf zwei Gruppen aufmerksam. Beide Gruppen waren beschäftigt: die eine mit Beten und die andere mit dem Lehren und Lernen. Mit Freude beobachtete er beide Gruppen und wandte sich an seine Begleiter: "Beide Gruppen tun Gutes und sind auf dem Weg zur Glückseligkeit. Doch ich bin gekommen, um zu lehren und aufzuklären", sagte er, schloß sich der Gruppe der Lehrenden und Lernenden an und setzte sich zu ihnen. (1)

Die Fürbitte

 Ein Mann kam aufgeregt zu Imam Sadiq (a.s.) und sagte: "Beten Sie für mich, damit Gott es mir erleichtert, meinen Lebensunterhalt zu verdienen, denn ich bin arm und notleidend." Imam Sadiq (a.s.) antwortete, "das werde ich niemals tun."

"Warum wollen Sie nicht für mich beten?", fragte der Mann. Imam Sadiq (a.s.) antwortete: "Weil Gott uns zu diesem Zweck einen anderen Weg gewiesen hat. Er hat befohlen, das tägliche Brot zu suchen und danach zu streben. Du willst aber zu Hause bleiben und das tägliche Brot mit einem Gebet zu dir kommen lassen."(2)

Der Reisegefährte auf der Pilgerfahrt

Ein Mann, der von einer Pilgerfahrt zurückgekehrt war, berichtete Imam Sadiq (a.s.) über diese Reise. Er war besonders voll des Lobes über einen seiner Reisebegleiter: Was für ein vorzüglicher Mensch er doch gewesen sei. Sie seien alle stolz darauf gewesen, solch einen noblen Herrn begleiten zu dürfen. Seine ganze Zeit habe er dem Beten gewidmet. Sobald sie Rast machten, habe er sich zurückgezogen, seinen Gebetsteppich ausgebreitet und weitergebetet. Imam Sadiq (a.s.) fragte: "Und wer hat seine Arbeiten erledigt und sein Tier versorgt?"

Der Mann antwortete: "Wir hatten natürlich die Ehre, diese Arbeiten für ihn zu erledigen. Er war so mit seinen heiligen Pflichten beschäftigt, daß er sich nicht um diese Dinge kümmern konnte."

-"Dann ist jeder von euch besser als er", sagte der Imam.



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