Regierungsauftrag Imam Alis (a.s.) an Malik al-Aschtar



Im Namen des barmherzigen und gnädigen Gottes

Dies sind die Regierungsgrundlagen, auf die Ali (a.s.) , Diener Gottes, Sohn des Abu Talib, Malik al-Aschtar, Sohn des Hareth, bei dessen Ernennung zum Gouverneur von Ägypten verpflichtet. Malik al-Aschtar wird beauftragt, Steuern einzutreiben, die Feinde zu bekämpfen, sich für die Verbesserung der Lebensumstände der Bevölkerung Ägyptens einzusetzen und für das Gedeihen des Landes Sorge zu tragen. Ali weist Malik an, seine Frömmigkeit vor Gott zu bewahren, der Gehorsamkeit Gott gegenüber Vorrang zu geben und die Gebote und Verbote der Schrift (Koran) und ihrer Überlieferungen zu befolgen; denn diese führen allein zu Glückseligkeit, während jeder, der gegen sie verstößt, im Unheil endet. Er (Imam Ali) beauftragt Malik, Gott, dem Gepriesenen, mit Leib und Seele zu dienen, denn er - möge sein Name gepriesen sein hat versprochen, seinen Helfern beizustehen und denen, die ihm Verehrung entgegenbringen, Würde zu verleihen.

Er (Imam Ali) gibt ihm weiter den Auftrag, seine Wünsche zu mindern und zu zügeln, weil ungehöriges Verlangen ihn zum Unrecht hintreibt, es sei denn, daß der gnadenvolle Herrgott ihm zu Hilfe komme.

Und nun, oh Malik, sei auf der Hut!

Ich entsende Dich (als Gouverneur) in ein Land, in welchem zuvor schon sowohl die Gerechtigkeit, als auch die Despotie geherrscht haben. Zweifellos werden die Volksmassen über Dein Wirken genauso urteilen, wie Du über das Wirken der früheren Staatsmänner. Sie werden über Dich in gleicher Weise reden, wie Du es über die ehemals Regierenden tatest.

Den Gerechten und Aufrichtigen wird man jedoch daran erkennen, ob er nach Gottes Wort handelt.

Mögen Deine kostbarsten und liebsten Schätze im gerechten und aufrichtigen Handeln bestehen. Beherrsche Deine Leidenschaften und zügle sie im Angesicht dessen, was Dir nicht erlaubt wurde. Übe um der Gerechtigkeit willen strenge Selbstbeherrschung, ob es Dir nun genehm oder nicht genehm erscheint. Schließe das Volk in Dein Herz und empfinde ihm gegenüber aufrichtige Liebe, Zärtlichkeit und Freundschaft. Möge Gott Dich davon abhalten, wie ein Raubtier auf Beute zu lauern!

Bedenke, daß das Volk aus zweierlei Gruppen besteht: die einen sind Deine Brüder im Glauben, die anderen sind zumindest menschliche Wesen wie Du. Es kommt vor, daß sie (beide Gruppen) Verfehlungen begehen oder einer Schwäche erliegen, willentlich oder versehentlich eine Sünde begehen; dann mögest Du ihnen Deine Nachsicht und Vergebung nicht vorenthalten, genauso, wie Du Nachsicht und Vergebung von Gott erwartest, denn Du stehst über ihnen und der, der Dich zum Gouverneur ernannt hat (Imam Ali), über Dir, Gott jedoch über ihm. Er (Imam Ali) hat Dich dazu aufgefordert, die Angelegenheit des Volkes zu vertreten. Das Volk ist also ein Prüfstein für Deine Taten.

Denke nicht daran, Malik, Gott den Krieg zu erklären, denn Du kannst weder seine Strafe ertragen noch auf seine Vergebung und Gnade hoffen. Empfinde niemals Reue, wenn Du Vergebung geübt, und niemals Freude, wenn Du eine Strafe verhängt hast. Eile nicht dem Zorn entgegen, dem Du entweichen kannst. Denke niemals bei Dir: "Ich bin der Befehlshaber und gebe den Befehl, mir muß man gehorchen!" Denn solch ein Gedanke korrumpiert das Herz und den Verstand, schwächt den Glauben und führt die Regierung in den Abgrund.

Wenn Deine Macht Dich zu Arroganz und Prahlsucht verführen sollte, dann denke an das unermeßliche Reich Gottes und seine Allmacht über das, worüber Du nicht zu entscheiden hast. Solche Überlegungen werden Deine Maßlosigkeit und Deinen Jähzorn beruhigen und eindämmen und Dich wieder zur Vernunft bringen. Achte darauf, nicht mit seiner Allmacht zu wetteifern und Deine Macht der seinen entgegen zustellen, denn Gott wird jeden arroganten und gnadenlosen Tyrannen demütigen.



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